Das PA-Konzept der VDZM:

- Sozial verträglich und ohne Zuzahlung für GKV-Mitglieder -
    

Die Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM) strebt einen Ausbau der Parodontitis-Behandlung für alle gesetzlich Versicherten an. Im Zentrum der „PA-Behandlung“ steht die in der Zahnarztpraxis vorgenommene Reinigung der Zahnwurzeloberflächen unterhalb des Zahnfleischrands, also in den Zahnfleischtaschen.
Gleichzeitig müssen die Patienten in die Lage versetzt werden, durch eine verbesserte häusliche Mundhygiene und effektive tägliche Plaque-Entfernung ihren Teil zum „Biofilm-Management“ beizutragen. Hierzu sollten ihnen Mundhygiene- Fertigkeiten vermittelt werden, die über das Zähnebürsten bei nicht von Parodontitis betroffenen Menschen hinausgehen.
Momentan ist die Versorgung der Patienten mit einer systematischen Behandlung der Parodontitis noch unvollständig. Im Leistungskatalog der Krankenkassen sind Screening, Diagnostik sowie die Behandlung – insbesondere die Reinigung der Zahnfleischtaschen – enthalten. Es fehlen jedoch noch wesentliche Leistungen für Parodontitis-Patienten:

  • Mundgesundheitsaufklärung vor der Behandlung
  • Strukturierte Nachsorge (unterstützende Parodontitistherapie, UTP):
  • Kontrolle nach der Behandlung (Re-Evaluation)
  • Wiederholte Reinigung der nach der Behandlung noch verbliebenen Zahnfleischtaschen

Die VDZM hält es für erforderlich, diese Maßnahmen zur Parodontalbehandlung in den Leistungskatalog der GKV zu implementieren.
Zuzahlungen durch den Patienten sind nicht vorzusehen, schließlich  handelt es sich hier um eine behandlungsbedürftige Erkrankung.

Die Grundzüge des Versorgungskonzepts sind wie folgt:

  • Die gesamte Parodontalbehandlung ist als Leistung niedrigschwellig vorzusehen, damit möglichst viele erkrankte Patienten behandelt werden können.
  • Bisherigen Antrags- und Begutachtungsverfahren entfallen; sie sind bei Sachleistungen ohnehin nicht zwangsläufig notwendig, und bei unwirtschaftlicher Leistungserbringung  verfügen KZVen und Krankenkassen schon heute über erprobte Regelungsmechanismen.
  • Die Leistungen sind im Rahmen des Zahnheilkundegesetzes und des Einsatzrahmens für fort- und weitergebildetes Assistenzpersonal delegierbar. Anamnestische, diagnostische und begleitende therapeutische Maßnahmen – wie Anästhesien – bleiben in der zahnärztlichen Zuständigkeit.
  • Personenkreis: Versicherte mit tiefen Zahnfleischtaschen (wie bisher: Sondiertiefe gleich/größer 3,5 mm)

Initialbehandlung

Neben der Befundung und Dokumentation der Behandlungsnotwendigkeit je Zahn gehören die "Prognose" (Bestimmung des individuellen Erkrankungsrisikos) und die „Mundgesundheitsaufklärung“ (mündliche und ggf. praktische Mundhygieneanleitung, ggf. Hinweis auf ärztliche Behandlung von Allgemeinerkrankungen (z.B. Diabetes) sowie ggf. auf Einstellen oder Einschränken des Tabakkonsums als wesentlichem pathogenen Faktor) zum integralen Bestandteil der Leistung.  
Der weitere Leistungsinhalt: Entfernung der supra- und subgingivalen, klinisch erreichbaren Beläge und Konkremente, maschinell oder manuell je Zahn (ein- oder mehrwurzelig) sowie Beseitigung der PA-Störfaktoren wie überstehende Füllungsränder, Entfernung nicht erhaltungsfähiger Zähne, etc. Dabei ist eine Differenzierung der bestehenden Leistung „geschlossenes Vorgehen“ bei der Zahnfleischtaschenbehandlung in die Leistungen „P200a/ P201a“: Sondiertiefe 3,5 – 5,5 mm und Leistungen „P200b/ P201b“: Sondiertiefe ≥ 5,5 mm vorzusehen.

Nachsorge

Die Notwendigkeit der Nachsorge ist wissenschaftlich unbestritten. In den Leistungskatalog der GKV sind deshalb folgende neue Leistungen in der Nachsorge nach PA-Behandlung (unterstützende Parodontitistherapie, UPT) aufzunehmen.:

  • Kontrolle nach der Behandlung (Re-Evaluation), erstmals beispielsweise nach sechs Wochen,
  • Wiederholung der Mundhygieneaufklärung
  • erneute Messung der Sondiertiefen.

Sollten sich noch Behandlungsbedarf ergeben, wird eine Nachbehandlung der noch verbleibenden Zahnfleischtaschen gemäß dem Leistungsinhalt der P200a/b bzw. P201a/b eingeleitet.
Die weiteren Nachsorgetermine richten sich nach der Einteilung der Parodontitis in Schweregrade: abhängig vom Schweregrad ist der Zeitpunkt der erneuten Re-Evaluation, bei schwerer Parodontitis z. B. nach vier Monaten vorzusehen.

Das hier vorgeschlagene neue Parodontis-Versorgungskonzept ist geeignet, das Voranschreiten der Parodontitis breitenwirksam stark zu vermindern. Das ist ein wesentlicher Beitrag zu mehr Mundgesundheit, mehr Zahnerhalt und damit zu mehr Lebensqualität.